Daniel Zoll hat, als Redaktionsleiter des Berliner Radiosenders JAM FM, eine der erfolgreichsten und reichweitenstärksten deutschen Radiomarken im Social-Media-Bereich aufgebaut. Mittlerweile berät der Digital Content Creative zahlreiche Medienunternehmen, Firmen und Personalities im Bereich Social Media, Markenaufbau, Digitales Branding und Storytelling. Der gebürtige Bayer hält deutschlandweit Workshops über Instagram und Influencer Marketing und ist als Speaker (re:publica, AFBMC, Social Media Conference Hamburg uvm.), Hochschuldozent und Eventmoderator tätig. Zu seinen Kunden gehören Google, Mercedes-Benz, Red Bull, Antenne Bayern uvm.

Einer der Schlüssel zur Förderung eines E-Commerce ist das soziale sharing. Welche Strategien/Tools empfehlen Sie, um diesen zu fördern?

Wenn ich daran denke, was für viele Unternehmen „Social Sharing“ bedeutet, dann läuft es mir eiskalt den Rücken herunter. Ich sehe zu häufig, dass einfach nur schnöde „Sales Visuals“ verbreitet und geteilt werden und die Nutzer mit plumper Werbung penetriert werden. Ich persönlich komme aus einer stark inhaltsorientierten Social Media Welt, bei der guter Content eine Königsdisziplin ist und kein Mittel zum Zweck.

Die Strategie des simplen Teilens von „Verkaufsgrafiken“ mag für einige Unternehmen aufgehen, aber ich würde empfehlen sich wieder auf die Erstellung von besseren Inhalten zu konzentrieren. Content, der inspiriert, unterhält und/oder informiert ist für mich die Basis für eine nachhaltige Social Media Strategie. Diese Inhalte solltest du auf die jeweiligen Plattformen anpassen und dementsprechend optimieren, denn nicht jeder Inhalt passt zu jedem Kanal!

Betrachte deinen Social Content als Gruß aus der Küche. Damit gibst du deinen potenziellen Kunden schon einen Vorgeschmack, indem du sie „riechen, fühlen und schmecken“ lässt. Dadurch schaffst du Vertrauen und holst deine potenziellen Kunden langsam ab und bringst sie, ohne mit der Brechstange zu arbeiten, in deinen Sales Funnel.

Letzter Tipp: Hinterfrage alle deine Content Pieces nach dem Mehrwert für den User, nicht nach deinem eigenen!

Bei Social Media ist es für Unternehmen manchmal schwierig, eine eigene “Stimme” zu finden und sich zu differenzieren. Welchen Rat würden Sie geben, um dies zu erreichen?

Du musst wissen, für was dein Unternehmen steht, dein Produkt verstehen und deine Zielgruppe kennen – und damit meine ich mehr als nur soziografische Merkmale. Befasse dich mit Bestands- aber auch mit potenziellen Kunden und lerne deren Interessen und Onlineverhalten kennen. Nur dann kannst du sie zielgerichtet ansprechen. Wenn du nach dieser Recherche immer noch nicht genau weißt, wie deine Stimme klingen sollte, dann suche nach Unternehmens-Accounts, die deine Zielgruppe schon bedienen und lass dich davon inspirieren.

Lerne aus deren Erfahrung!

Im echten Leben fällt es uns seltsamerweise nicht so schwer, unsere eigene Stimme zu finden. Sie verändert sich im Laufe der Zeit, wird deutlicher und klarer aber auch das ist ein Prozess, den eine Unternehmensstimme durchlaufen darf. Solange du auf das Echo deiner Community achtest und authentisch bleibst, ist das Finden deiner eigenen Stimme kein Hexenwerk.

Sie waren als Content Marketing Manager verantwortlich; wie kann Content Marketing Ihrer Meinung nach, den Umsatz in einem Online-shop steigern?

Inhalte schaffen Nahbarkeit und damit Vertrauen. Sie werden von Konsumenten nicht als Werbung angesehen, sondern als Informations- oder Unterhaltungsträger. Wenn ich mich auf Informationssuche begebe und immer wieder die Antworten auf meine Frage bei derselben Instanz erhalte, bin ich irgendwann auch überzeugt von deren Kompetenz. Dieses Vertrauen kann so stark werden, dass ich mich irgendwann von selbst nur noch dort informiere und einer Kaufempfehlung fast blinde folge. Du musst diese Instanz sein!

Da das natürlich Zeit und Geld kostet und der ROI nicht sofort positiv ist, schrecken Stakeholder oft davor zurück eine Content-/Social Media Marketing – Strategie zu fahren, die den Hauptfokus auf die Erstellung guter Inhalte legt. Trotzdem kann ich dir, hinsichtlich der Nachhaltigkeit und des Brand Buildings nur empfehlen, auf Content Marketing zu setzen!

Was halten Sie vom Boom der Influencer? Wie können wir den perfekten Influencer finden und eine gute Rendite für unseren E-Commerce erzielen?

Dafür gibt es mittlerweile super Plattformen und Tools wie InfluencerDB, Reachbird, Hypeauditor uvm. Alle bieten einen Haufen interessanter Kennzahlen, anhand derer du dir einen passenden Influencer heraussuchen kannst. Zusätzlich kannst du dich in den eigenen Reihen umsehen, um in Erfahrung zu bringen, ob es nicht schon Personen im Unternehmen gibt, die als Influencer fungieren können. Grundsätzlich eignet sich jeder als Influencer, egal ob Kunde oder Werkstudent. Jeder der in einem sozialen Umfeld lebt, kann „influencen“ und tut es auch tagtäglich. Wichtig ist zu begreifen, dass heutzutage jeder mit einem Smartphone, ganz egal ob 30 oder 30 Millionen Follower, Teil deines Onlinemarketing Teams ist.

Erfolgsentscheidend bei der Zusammenarbeit ist, egal ob interner oder externer Influencer, sich Ziele zu setzen und Messbarkeit zu schaffen. Vertrauen zwischen dem Influencer und der Brand ist die Basis für eine erfolgsversprechende Kooperation. Und habt ihr damit begonnen coole Inhalte miteinander zu kreieren, holt alles aus ihnen heraus! Plakate, Printwerbung, TV-Spots – lass deinen digitalen Content in der analogen Welt weiterleben.

Künstliche Intelligenz verändert viele Bereiche: Welche Veränderungen wird es für das digitale Marketing mit sich bringen?

Die Frage wird mir oft gestellt und ich wünschte, ich hätte eine Zauberkugel, die mir alles verrät. Doch die habe ich leider nicht. Was wir alle allerdings als eine solche betrachten könnten, ist China. Dort ist man in Sachen Digitalisierung schon einen deutlichen Schritt weiter als in Europa. Apps wie Tik Tok und WeChat stellen die User Experience in den Vordergrund. Durch solche One Stop Apps wird eine barrierefreie Customer Journey gewährleistet, die sich unmittelbar positiv auf Umsätze auswirkt. Sobald sich solche Konzepte, zusammen mit selbstlernenden Chatbots hierzulande etablieren, wird der Kaufprozess und der Kundenservice wie wir ihn kennen revolutioniert!